Blechabwicklung verstehen und richtig berechnen
Die Blechabwicklung ist ein grundlegender Bestandteil der Blechbearbeitung. Sie dient dazu, die flache Ausgangsform eines Bauteils zu ermitteln, das durch Abkanten oder Biegen seine finale Geometrie erhält. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen als Konstrukteur, Techniker oder Einkäufer, worauf Sie achten müssen – kompakt, verständlich und praxisnah.
Was genau ist Blechabwicklung und warum ist sie so wichtig?
Ein Blechteil entsteht häufig aus einem flachen Zuschnitt, der anschließend durch Biegen in seine dreidimensionale Form gebracht wird. Die Blechabwicklung ist also die Darstellung dieses Zuschnitts vor dem Umformen – die Grundlage für den Materialzuschnitt, für Fertigungsgenauigkeit und letztlich für die Wirtschaftlichkeit des Bauteils.
Darstellung eines einfachen, gekanteten Blechteils als 3D-Modell und daneben dessen abgewickelte 2D-Form mit Maßlinien.
Für ein besseres Verständnis empfiehlt es sich, die Abwicklung stets mit Beispielskizzen zu visualisieren, wodurch die Zusammenhänge für Konstrukteure einfacher nachvollziehbar sind.
Wie sich das Material beim Biegen verhält
Die Verformung des Blechs beim Abkanten lässt sich in drei Zonen unterteilen:
- Außenseite: Material wird gedehnt
- Innenseite: Material wird gestaucht
- Neutralzone: Keine Längenänderung (neutrale Faser)
Die genaue Lage dieser neutralen Faser hängt vom Innenradius der Biegung und von der Blechstärke ab. In der Regel liegt sie zwischen 30 % und 50 % der Blechdicke.
Querschnitt eines gebogenen Blechs, das die Materialverformung beim Biegen zeigt. Gekennzeichnet sind gestauchte Fasern auf der Innenseite, gedehnte Fasern auf der Außenseite sowie die neutrale Faser in der Mitte, die bei der Längenberechnung berücksichtigt wird.
Methode zur Berechnung der Abwicklung
Biegeabzug (BD)
Der Biegeabzug errechnet sich als Wert, den man von der Gesamtlänge der Schenkel abzieht:
Abwicklung = L1 + L2– BD
BD ist abhängig von Material, Stempel-Matrizen-Kombination und Materialstärke / Dieser ist im Optimalfall doppelte Materialstärke / L1 und L2 sind Außenmaße
Darstellungen eines Kantteils mit Maßlinien mit Biegeabzug (Subtraktion)
Schnelle Näherung für Blech
Für einfache Kantteile mit 90°-Biegungen und geringer Materialstärke lässt sich eine grobe Abschätzung vornehmen:
Regel: Pro Biegung: 2 × Blechdicke von der Gesamtlänge abziehen
Beispiel: Blechdicke = 1,5 mm → 70 – 3 + 25 – 3 + 15 = 104 mm Abwicklung
Einflussfaktoren, die Sie nicht vergessen sollten
Neben dem reinen Geometriewert wirken sich auf die Abwicklung auch folgende Faktoren aus:
- Blechdicke
- Werkstofftyp (z. B. Stahl, Edelstahl, Aluminium)
- Faserrichtung des Materials
- Werkzeugform, Matrizentyp, Biegeradius
- Rückfederung des Materials (k-Faktor)
- Mindestbiegeradien (abhängig vom Werkstoff)
Diese Faktoren fließen bei der Softwareberechnung bei Rime automatisch mit ein – oder können bei manueller Berechnung als Korrekturwert berücksichtigt werden.
Häufige Fehler und Praxistipps
- Wahl falscher k-Faktor oder Vernachlässigung der Materialeigenschaften führt zu fehlerhaften Abwicklungen.
- Rückfederung nicht einkalkuliert, erhöht Ausschuss und Nacharbeit.
- Faserrichtung des Materials wird oft übersehen, kann aber die Biegequalität und Maßhaltigkeit beeinflussen.
- Enge Radien ohne Musterteilprüfung können zu Beschädigungen des Blechs führen.
Wir empfehlen vor Serienproduktion stets ein Testbiegeteil anfertigen und prüfen zu lassen. Das vermeidet kostenintensive Fehler und gewährleistet höchste Qualität.
Unsere Leistungen bei Rime
Wir berechnen Ihre Abwicklung präzise – softwaregestützt, materialgerecht und fertigungssicher. Ob Sie bereits ein 3D-Modell haben oder unsere Konstruktionshilfe benötigen: Wir liefern Ihnen den fertigen Zuschnitt oder übernehmen auch die gesamte Umformung.
Typische Anwendungen bei unseren Kunden:
- Maschinenverkleidungen
- Schaltschränke und Gehäuse
- Behälter und Übergangsstücke (z. B. rund auf eckig)
- Lüftungskanäle und Abdeckungen
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